99 konsumieren, einer produziert {via wirtschaftsblatt.at}
Rund 200 Besucher tummelten sich vergangenen Samstag am Digiday 09 im Museumsquartier. Die Liebe zur modernen Informationsgesellschaft sieht man ihnen an: In der Pause zwischen den Vorträgen werden Laptop und Smartphone gezückt, um schnell Emails zu lesen oder zu twittern – alles, was mit dem Zusatz „#ddv09“ über Twitter veröffentlicht wird, erscheint auf Video-Leinwänden. Nach den Vorträgen werden nicht nur regulär Fragen gestellt; der Moderator weiht den Redner auch ein, was die Community live im Netz von seinem Vortrag hielt. Die Welt ist digital.
Ziel der Veranstaltung ist, die meist jüngere Generation aus Bloggern und Twitterern – die Digital Natives – mit der älteren Generation zu vereinen. Entsprechend werden die Vorträge inhaltlich auf der Oberfläche gehalten. Denn hier finden sich auch Kleinstbetriebe, die den ersten Schritt ins Web erst wagen wollen.
Mitten drin: Ibrahim Evsan, Gründer der Agentur Sevenload und Vortragender der Eröffnungsrede. Bei aller Euphorie bemängelt er, dass der jüngeren Generation der Blick für das große Ganze fehlt – denn dieses Bild ist nicht unbedingt positiv. Die Sucht nach Online-Spielen wie „World of Warcraft“ ist mittlerweile ein ernstzunehmendes gesellschaftliches Phänomen; und das Klicken durch FaceBook-Seiten verdrängt vermehrt das Zappen durch TV-Kanäle. „Da kommen soziale Probleme auf uns zu“, sagt Evsan.
Massenmedium Web
Dass das Web 2.0 inzwischen ein Massenmedium geworden ist, dürfte auch niemand mehr bezweifeln. Laut Martin-Hannes Giesswein, Head of Retail bei Nokia, sind bereits eine Million Österreicher auf FaceBook registriert; 17 Prozent der verkauften Handys sind internetfähig. Diese Masse ist anders als jene Early Adopter, die zu Beginn das Web 2.0 bevölkerten: Sie wollen nicht mehr selbst produzieren, sondern Inhalte nur noch passiv konsumieren. Evsan nennt das die 99:1-Regel: 99 Menschen konsumieren, einer produziert – und dieser Produzent sollte das verkaufende Unternehmen sein.
Und hier ist die Goldgräber-Stimmung vorbei: „Es reicht nicht, eine einzelne Fan-Seite auf FaceBook zu stellen“, sagt Evsan. Punkten kann nur, wer seine Web 2.0-Strategie auf allen Plattformen durchsetzt; Agenturen müssen sich für jede Kampagne etwas Neues überleben. Evsan: „Einzigartigkeit ist nunmal nicht wiederholbar.“